Kleine Orgelgeschichte und Umbau 2011

Die erste Orgel in St. Mariä Himmelfahrt wurde 1717 vom Landauer Orgelbaumeister Nikodemus Franziskus Frosch errichtet, ein kleines Orgelwerk mit fünf Registern. 1741 wurde vom Landshuter Meister Franz Mitterreither ein neues größeres Orgelwerk gebaut, die bestehende kleine Orgel von Frosch wurde als Rückpositiv gestaltet. Diese überdauerte mit wenig bemerkenswerten Veränderungen bis Ende des 18. Jh. 1902 entschloss man sich zu einem Neubau durch die Firma Steinmeyer aus Öttingen. Gemäß der Zeit entstand ein pneumatisches Werk mit 28 Registern. Der Prospekt von 1741 wurde weitestgehend erhalten und dabei vergrößert, das Rückpositiv ausgebaut und im Dachboden gelagert. 1979 wurde die Firma Weise aus Plattling beauftragt, die Orgel wieder mit einem mechanischen Werk zu versehen und das Rückpositiv zurückzubauen. Die Orgel hatte zu diesem Zeitpunkt 39 Register und drei Manuale mit Pedal. Die klangliche Ausrichtung dieser Zeit fußte allerdings auf falschen Klangvorstellungen der Barockzeit und starker Orientierung an zeitgenössischer Musik mit hellen und schrillen Klängen. Der sog. neobarocke Orgelbau beeinflusste die Orgelbauer der 70er/80er-Jahre stark. Nach den 1980er Jahren setzte jedoch eine Reform im Orgelbau ein. Ausgehend vom Ideal der stilistischen Synthese, die Orgel als Universalorgel zu sehen (alle Stile wie Barock, Romantik und Moderne sollen auf einer Orgel darstellbar sein), brachte mit wachsender Bedeutung und Erforschung der historischen Aufführungspraxis zunehmend eine Orientierung an stilgetreuen Instrumenten hervor.

Diesen neuen Vorstellungen wurde im Jahre 2010 Rechnung getragen. Mit Hilfe des neuen Orgelsachverständigen des Bistums Passau Christian Müller wurde im Zuge der Generalsanierung ein Konzept dafür erstellt. Den Auftrag dazu erhielt die Orgelbaufirma Utz und so entstand im Herbst 2011 ein fast neues Orgelwerk, das sich wegen des großen Bestands des Pfeifenwerkes der Firma Steinmeyer von 1902 auch an dem romantischen Klangideal orientiert. Das ehemalige Rückpositiv wurde in die Hauptorgel unterhalb des Hauptwerks gesetzt und kann durch den neuen Standort den vor der Orgel aufgestellten Chor oder diverse Instrumentalsolisten optimal begleiten. Selbstverständlich schmückt das historische Prospekt von 1717 mit stummen Pfeifen weiterhin die Emporenbrüstung. Die Zahl von 39 Registern verteilt auf 3 Manuale mit Pedal ist gleich geblieben. Im Zuge der Generalsanierung wurde die Orgel auch technisch weiterentwickelt. Die gesamte Spieltraktur wurde erneuert. So wurden die Verbindungen zwischen den Tasten und den Spielventilen, die sog. Abstrakten, aus einem leichten und sehr widerstandsfähigen Material gefertigt, aus Karbonfasern. So konnte ein präzises, leichtgängiges Spiel auf der Orgel gewährleistet werden. Abgerundet wurden die Maßnahmen durch einen neuen Spieltisch mit Setzeranlage.

Unter Beibehaltung des historischen Prospekts und der Windladen, sowie der umintonierten vorhandenen Pfeifenbestände ist wieder ein würdiges Orgelwerk entstanden, das an die große Kirchenmusiktradition des Komponisten und Orgelvirtuosen der Stadt Landau, Arthur Piechler, anknüpft, der die Vorgängerorgel von Steinmeyer aus 1902 in einem Gutachten von 1922 aufs Höchste lobte.

 

 

Die Disposition der Orgel in St. Maria

erweitert und intoniert durch Orgelbau Andreas Utz (2011)

I. Man. (Hauptwerk)

Großgedackt 16´

Prinzipal 8´

Hohlflöte 8´

Gambe 8´

Oktave 4´

Spitzflöte 4´

Superoktave 2´

Cornett 4f.

Mixtur 4-5f. 1 1/3´

Trompete 8´

 

II. Man. (Schwellwerk)

Gedackt 16´

Harfenprincipal 8´

Gedackt 8´

Salicional 8´

Vox coelestis 8´

Prinzipal 4´

Holzflöte 4´

Quinte 2 2/3´

Waldflöte 2´

Terz 1 3/5´

Progressio harmonica 2-5f. 2 2/3´

Trompette harmonique 8´

Oboe 8´

Vox humana 8´

Tremulant

 

III. Man. (Positiv)

Holzgedackt 8´

Rohrflöte 4´

Prinzipal 2´

Nasard 2 2/3´

Scharf 3f. 1´

Krummhorn 8´

Tremulant

 

Pedal

Violon 16´

Subbass 16´

Quinte 10 2/3´

Oktavbass 8´

Gedacktbass 8´

Choralbass 4´

Bombarde 16´

Trompete 8´

Feldtrompete 4´

 

Spieltraktur: mechanische Schleiflade

Elektronische Setzeranlage, Koppel I/P, II/P, III/P, II-I, III-I